Türkei-Experte glaubt an Freilassung von Marco W.

Von Irina Heidkamp

Kommt Marco W. nun tatsächlich endlich frei ?Am Donnerstag hat sich der Opferanwalt, Ömer Aycan, im Prozess gegen den deutschen Schüler Marco W. (17) aus Uelzen noch einmal kämpferisch gezeigt. Er wolle in der neunten Verhandlungsrunde am Freitag, den 14. Dezember, unbedingt auf ein Urteil über den Schüler drängen, einen entsprechenden Antrag stellen und die Höchststrafe fordern.

Schwere Worte, denn kaum jemand glaubt, daran, dass der 17jährige Schüler das Mädchen tatsächlich bedrängt hat. Dem deutschen Schüler wird sexueller Missbrauch eines Kindes vorgeworfen. Doch der Schüler beteuert, dass sich das Mädchen ihm gegenüber als 15jährige ausgegeben habe und selbst die Initiative zu den Zärtlichkeiten ergriff. Dafür sprechen auch die Aussagen von Hotelangestellten, die dem Mädchen sogar Alkohol ausschenkten und dieses lange in die Nacht feiern sahen.

Das Mädchen hatte zudem zu Anfang erklärt, dass ihre Mutter den Anstoß zu einer Strafverfolgung des deutschen Schülers gegeben habe.

Das Ergebnis des neunten Verhandlungstags vor Gericht in Antalya ist allerdings noch völlig offen. Familie, Freunde und Unterstützer wünschen sich für Marco W., dass er bis Weihnachten nach Hause fahren kann.

Direktor des Essener Zentrums für Türkeistudien, Faruk Sen, ist davon überzeugt ist, dass der Schüler aus Uelzen nach mehr als acht Monaten auf Kaution freigelassen wird und tatsächlich das Fest der Liebe unter einem heimischen Tannenbaum feiern wird. Unterdessen warfen zwei deutsche Politiker der Türkei erneut rechtsstaatliche Defizite vor.

Türkei-Experte Sen sagte, Marco W. werde am Freitag „auf Kaution freigelassen“. Das türkische Justiz- sowie das Tourismusministerium hätten „geregelt“, dass der 17-Jährige noch vor Weihnachten auf freien Fuß komme.

Damit wäre allerdings bewiesen, dass die Türkei tatsächlich rechtsstaatliche Defizite aufweise. Nicht nur die extrem lange und völlig unangemessen Untersuchungshaft sprechen dafür, auch die ständige Verzögerung bei den Verhandlungen, die vermutliche Missachtung von entlastenden Beweisen des angeblichen Täters und nun auch noch das, die Justiz lässt sich von der Wirtschaft diktieren.

Verständlicher Weise muss die Türkei nach diesem Vorfall mit Einbrüchen in der Tourismusbranche fürchten. Touristen können sich nicht mehr sicher und frei fühlen, wenn sie ins Land reisen.

Türkei-Experte Sen weiter: „Die meisten in der Türkei sind dafür, den Jungen nach Niedersachsen zu bringen - dort wird schließlich auch gegen ihn ermittelt“, erläuterte Sen und fügte hinzu: „Er tut jedem leid.“

Im Übrigen bewerte fast niemand in der Türkei die Annäherung zwischen Marco und Charlotte als Vergewaltigung. Dies habe auch ein türkischer Arzt bei der Untersuchung des Mädchens kurz nach der Tat festgestellt. „Das war ein Petting“, betonte Sen.

Charlottes türkischer Anwalt Ömer Aycan hingegen will eine Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs erreichen. „Ich dränge auf ein Urteil am Freitag“, sagte Aycan und kündigte an, einen entsprechenden Antrag zu stellen. Die Aussagen seiner Mandantin seien nun ebenso wie ein Gutachten über ihre psychische Verfassung eingetroffen und sollten bis zur Verhandlung ins Türkische übersetzt sein. Der Anwalt geht davon aus, dass der Schüler eine Strafe zwischen 8 und 15 Jahren bekommt. „Marco wird Weihnachten nicht zu Hause sein“, sagte er.

Unterdessen haben die beiden Europa-Abgeordneten Werner Langen (CDU) und Markus Ferber (CSU) der Türkei mangelnde Rechtsstaatlichkeit vorgeworfen. Der schleppende Verfahrensverlauf zeige, dass weder das türkische Recht noch die Justiz europäischen Standards entspreche. Die Regierung in Ankara verfüge über die erforderlichen parlamentarischen Mehrheiten, um die notwendigen Verbesserungen im Rechtssystem umzusetzen. „Dies gilt auch für die Beseitigung der rechtsstaatlichen Defizite“, sagte Langen.

Sen warnte hingegen davor, der Türkei weiterhin rechtsstaatliche Defizite vorzuwerfen. Derartige Aussagen gefährdeten die „an sich sichere Freilassung“ unnötig. Er empfahl den Politikern, sich zurückzuhalten, „damit sich die türkische Justiz frei bewegen kann“. Solche Attacken seien kontraproduktiv und erzeugten politischen Druck, der es dem Richter in Antalya schwerer mache, eine für den 17-Jährigen „gute Entscheidung“ zu treffen, sagte Sen.

… diese Argumentation hört sich allzu scheinheilig an, um sie wirklich ernst zu nehmen !

Marco wurde am 12. April im türkischen Badeort Side festgenommen, nachdem die Mutter von Charlotte Anzeige gegen ihn erstattet hatte.

DCRS meint: Man kann nur hoffen, dass der türkische Richter ein weises Urteil fällt !

Artikel vom 13. Dezember 2007

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