Türkischer Außenminister beschimpft EU als Christenclub

Ein Kommentar von Olivia Lüdke

Türkei EUDie Diskussion einer EU-Mitgliedschaft der Türkei geht in die nächste Runde. Jüngst wurde in der Türkei das Kopftuchverbot an Universitäten aufgehoben. Ein gewaltiger Rückschritt in der Entwicklung der Türkei zu einem zukunftsfähigen Land.

Immer noch bestehen große Defizite in Fragen des Rechtsstaates. Der Fall Marco W. habe zwar für den 17jährigen zu einem vorläufigen Happy-End geführt, doch lange ist Marco W. nicht der einzige deutsche Jugendliche, der die Brutalität der türkischen Haft am eigenen Leib erfahren muss.

Wenig von den Medien beachtet, ist der Fall einer junge, deutschen Frau, die in diesen Tagen im selben Knast, in dem auch Marco saß, ihren kleinen Sohn auf die Welt bringen muss. Die junge Frau heißt Sabrina, ist gerade einmal 19 Jahre alt und wird des Drogenhandels im großen Stil beschuldigt. Die junge Frau bestreitet die Vorwürfe.

Ihr hilft allerdings niemand. Verwandte und Eltern haben das Mädchen weitgehend aufgegeben.

Der türkische Außenminister, Ali Babacan, ignoriert aber die massiven Misstände in seinem Land. Er versucht lieber die EU auf niedrigstem Niveau zu attackieren und das Schuldgefühl der Christen zu wecken, um seinem Islam-Staat den Weg in die EU zu ebnen.

Jüngst „warnte“ er die EU auf dem Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos, sich als Christenclub gegen andere Staaten abzuschotten.

… und der Türkei damit den Weg in die EU zu verbauen. Tatsächlich gibt es aber nicht nur in Deutschland und Frankreich viele kritische Stimmen zu einem EU-Beitritt der Türkei. Viele Europäer befürchten eine regelrechte Invasion von türkischen Muslimen in ihre Heimatländer und den Versuch der muslimischen Missionierung der christlichen Länder.

“Wenn die EU sich selbst als Club von Christen empfindet (…), widerspricht das dem eigentlichen Geist Europas”, sagte Babacan.

Woher will er das beurteilen könne, er ist ja kein Christ und auch kein EU-Bürger?!

“Religiöse Trennlinien sollten niemals wie eine Grenze dargestellt werden.” Zwischen den 27 EU-Mitgliedstaaten bestünden bereits “große Unterschiede” in Hinblick auf ihre Religion, Kultur und Sprache, unterstrich Babacan.

Eben, deshalb wäre es fatal noch mehr verschiedene Strömungen einfließen zu lassen.

Letztendlich müsse entschieden werden, “ob die Türkei der EU neuen Reichtum bringt, so dass die EU eine wirklich umfassende Stimme und eine wirklich repräsentative Stimme hat”.

… damit hat er tatsächlich Recht.

Die Türkei könne als Mitglied der EU als Brücke zwischen dem Westen und der islamischen Welt fungieren, stellte Babacan in Aussicht. Zugleich betonte er, dass Ankara die Demokratie weiter ausbauen wolle.

… das kann sie als Nicht-EU-Mitglied noch viel besser, wenn sich die Türkei eine neutrale Stellung zwischen islamischer Welt und der EU sichert. Dies ist allerdings nur mit einer strikten Trennung zwischen Staat und Religion möglich. Und diese Trennung wird gerade eben abgeschafft.

Die beiden großen EU-Staaten Deutschland und Frankreich widersetzen sich einer EU-Vollmitgliedschaft der Türkei und bieten ihr stattdessen eine privilegierte Partnerschaft an. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte seine Ablehnung damit begründet, dass die Türkei als überwiegend muslimisches Land nicht zu Europa gehöre.

… womit er geographisch und kulturell definitiv Recht hat.

DCRS ONLINE meint: Die Türkei sucht vor allem ihren eigenen Vorteil in einer EU-Mitgliedschaft. Bieten kann sie allerdings nicht wirklich viel dafür.

Artikel vom 27. Januar 2008

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