TV-Duell zwischen Obama und Clinton unentschieden

Von Andre Bergmann

Hillary Clinton kann den ihr Sympathien-Defizit im Vergleich zu Barack Obama einfach nicht wieder ausgleichen. Im jüngsten TV-Duell der beiden demokratischen Präsidentschaftskandidaten zeigten sich Clinton und Obama überraschend freundlich und mild.

Scharfe Angriffe blieben so gut wie ganz aus. Clinton versuchte durch einen menschlichen Auftritt zu punkten und griff Obama nur ein einziges Mal tatsächlich an, vielmehr konzentrierten sich die Kandidaten auf inhaltliche Botschaften an den Wähler.

Dabei setzte Clinton wieder einmal mehr auf ihre Erfahrung, ein anderes Argument für sich hat sie offenbar nicht mehr gefunden, Obama hingegen punktete weiter mit dem Aufruf zu einem Neuanfang, den sich tatsächlich viele Amerikaner wünschen.

Bei dem Zusammentreffen in der texanischen Stadt Austin am Donnerstagabend lieferten sich der schwarze Senator und die ehemalige First Lady vor allem in der Frage einer Gesundheitsreform einen ausgedehnten Schlagabtausch.

Wiederholt warf Clinton ihrem Rivalen vor, Passagen einer Rede eines anderen prominenten Demokraten “abgekupfert” zu haben.

Die New Yorker Senatorin stellte erneut ihre politische Reife heraus: “Ich biete ein ganze Lebenszeit der Erfahrung und bewährten Resultate.”

Breiten Raum nahm die Debatte über die von beiden Bewerbern angestrebte Gesundheitsreform ein. Clinton warf Obama mehrmals vor, sein Plan lasse 15 Millionen US-Amerikaner unberücksichtigt.

Dieser konterte mit dem Vorwurf, Clinton habe dieses Thema schon während der Regierungszeit ihres Mannes Bill falsch angegriffen und stellte die ehemalige First Lady damit in den Schatten ihres Mannes, Bill Clinton. Eine gehöriger Faux Pas für jemanden der vor allem auch den Frauen angeblich mehr Rechte geben will, seine Konkurrentin aber offensichtlich eigentlich als deren Mann betrachtet.

“Ich werde das anders machen”, rief Obama aus. “Wir können großartige Pläne haben. Aber wenn wir nicht die Art ändern, in der die Politik in Washington betrieben wird, dann kann keiner unserer Pläne verwirklicht werden.” Obama schürt damit bei vielen Amerikanern die Hoffnung auf einen echten Neuanfang, den es allerdings auch unter Obama in radikaler Form nicht geben wird. Der amerikanische Traum von großer Freiheit und allumfassendem Wohlstand ist ungebrochen.

Unterschiedliche Haltungen wurden auch in der Kuba-Politik deutlich. Clinton sagte, sie würde sich als US-Präsidentin erst dann mit dem designierten kubanischen Staatschef Raul Castro zusammensetzen, wenn dieser politische Reformen umgesetzt habe. Die New Yorker Senatorin nannte die Verwirklichung grundlegender Freiheitsrechte und eine offenere Wirtschaftsordnung als wesentliche Voraussetzungen. Obama erwiderte, er befürworte Gespräche ohne Vorbedingungen. Auf der Tagesordnung müsse dann aber die Frage der Menschenrechte stehen.

Clinton zeigte sich Beobachtern zufolge besonders überzeugend in Momenten, in denen sie ihre menschliche Seite betonen konnte. Auf die Frage nach den größten Herausforderungen in ihrem Leben sagte sie, “die Schläge, die ich im Leben einstecken musste, sind nichts verglichen mit dem, was ich im Leben der Amerikaner jeden Tag sehe”. Einen Ausfall oder Fehltritt Obamas zu provozieren gelang Clinton nicht. Der Senator gilt damit weiter als Favorit bei den kommenden Vorwahlen in Texas und Ohio.

DCRS ONLINE meint: Clinton wird Obama wohl nicht mehr einholen !

Artikel vom 22. Februar 2008

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