Unabhängigkeitserklärung des Kosovo verkündet

Von Andre Bergmann

In Europa wurde am vergangenen Sonntag ein neuer Staat geboren. Die fast nur mehr von Albanern bewohnte, serbische Provinz Kosovo hat sich am 17. Februar 2008 von Serbien unabhängig erklärt und somit der jüngste Staat auf dem europäischen Kontinent.

In der künftigen Hauptstadt Pristina votierten die Abgeordneten des Parlaments einstimmig für eine von der Regierung vorgeschlagene Deklaration.

“Wir erklären, dass Kosovo ein unabhängiger, souveräner und demokratischer Staat ist”, lautet die zentrale Aussage.

Serbien reagierte unmittelbar und bezeichnete die Loslösung der seit 1999 von den UN verwalteten Provinz als null und nichtig. Man wolle nun mit Sanktionen gegen die abtrünnige Provinz vorgehen. Dass der Kosovo aber noch einmal umkehrt ist mehr als unwahrscheinlich.

Die Europäische Union (EU) will noch im Februar mit der Entsendung von 1900 Experten zur Hilfe beim Aufbau des neuen Staates behilflich sein und Unterstützt damit den neuen Staat. Mit knapp 11.000 Quadratkilometern ist das Kosovo etwa halb so groß wie Mecklenburg-Vorpommern.

Sein Land werde alle Auflagen für einen weitgehenden Schutz der serbischen Minderheit erfüllen und weiter mit den Vereinten Nationen und der EU zusammenarbeiten, sagte Regierungschef Hashim Thaci. Von den geschätzten 2,1 Millionen Einwohnern sind 95 Prozent Albaner. Die serbische Minderheit zählt 100.000 Menschen. “Wir wollen die volle Mitgliedschaft in der EU”, sagte Thaci. Er appellierte an die NATO, die 17.000 Soldaten umfassende Schutztruppe KFOR im Kosovo zu belassen. “Auf diesen Tag haben wir so lange gewartet”, sagte Thaci den Abgeordneten, die der Erklärung stehend zuhörten und rhythmisch applaudierten.

In Pristina und anderen Kosovo-Städten hatten schon vor der offiziellen Unabhängigkeitserklärung Hunderttausende den neuen Staat bejubelt. Die Menschen tanzten in den Straßen, schwenkten albanische, amerikanische und europäische Fahnen und zeigten mit Transparenten ihre Freude. Zahlreiche Restaurants und Kneipen verteilten kostenlos Hamburger und Getränke. Die Stimmung war ausgelassen. Zwischenfälle gab es nicht. Auch die Landsleute im benachbarten Albanien und Mazedonien veranstalteten Feiern. Die mit Spannung erwartete Sitzung des Kosovo-Parlaments wurde mit Video-Leinwänden auf die zentralen Stadtplätze übertragen.

Serbien will Kosovo zurück

Serbiens Regierungschef Vojislav Kostunica bekräftigte in einer ersten Reaktion, sein Land werde die Unabhängigkeit nicht anerkennen und niemals die Ansprüche auf das Kosovo aufgeben. Vor allem kritisiert er die starke Hand der USA im Kosovo. “Die Gewaltpolitik der USA hat nicht Serbien, sondern die EU erniedrigt”, sagte er in Anspielung auf die führende Rolle Washingtons bei den Vorbereitungen der Kosovo-Unabhängigkeit. Wie Serbien den Kosvo allerdings zurück gewinnen will, außer mit Waffengewalt, scheint fraglich. Diese scheint derzeit aber niemand in Erwägung zu ziehen.

Vor allem einige EU-Mitglieder mit Minderheiten-Problemen lehnen die Anerkennung des Kosovos grundsätzlich oder zumindest zum derzeitigen Zeitpunkt ab. Sie wollen auch keine EU-Erklärung, die als Anerkennung der abtrünnigen serbischen Provinz durch die EU gedeutet werden könne. Dies sind vor allem Zypern, Griechenland, Spanien, die Slowakei und Rumänien.

DCRS ONLINE meint: Man kann nur hoffen, dass der Balkan nicht von einer neuen Welle der Gewalt überzogen wird!

Artikel vom 17. Februar 2008

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