Väter von Kinder aus Darry sind schockiert – Polizei fahndet nach Taxifahrer

Von Irina Heidkamp

Ein taxifahrer könnte ein wichtiger Zeuge seinDie Polizei fahndet im Fall der fünffachen Kindstötung in Schleswig-Holstein weiter nach den Hintergründen der schauerhaften Tat. Die Mutter wurde unterdessen dauerhaft in einer Psychiatrie untergebracht. Die Väter der fünf Kinder befinden sich ebenfalls in ärztlicher Behandlung. Sie stehen immer noch unter Schock , wurden zwischenzeitlich aber von der Polizei verhört. Die Angaben konnten keine weiteren Ergebnisse liefern.

Wichtige Hinweise erhoffen sich die Ermittler hingegen von einem Taxifahrer, mit dem die tatverdächtige Mutter der Kinder am Mittwochvormittag vermutlich vom Kieler Hauptbahnhof zur Psychiatrie nach Neustadt gefahren ist. Dort hatte die 31-Jährige gegenüber einem Arzt angegeben, ihre Kinder umgebracht zu haben.

Am Tatort setzte die Spurensicherung der Polizei am Freitag ihre Arbeit in dem Einfamilienhaus fort, wo die Leichen der Jungen am Mittwoch gefunden wurden. Gleichzeitig dauerte die Befragung der beiden Väter an. Bislang gebe es aber noch „keinen weiteren Erkenntnisgewinn“, sagte der Kieler Oberstaatsanwalt Kuno Fischer. Beide Männer seien in ärztlicher Behandlung.

Der Ehemann der Frau, Vater von drei ihrer Kinder, soll nach Angaben des Landkreises am Dienstag, unmittelbar vor der Tat, die Familie verlassen haben. Ob die Eheleute sich dauerhaft trennen wollten, ist aber noch unklar.

Ein Amtsrichter hatte am Donnerstag dem Antrag auf Unterbringung der Mutter in einer psychiatrischen Klinik stattgegeben, wie Fischer sagte. Nach Ansicht der Ermittler habe die Frau die Tat im Zustand „absoluter Schuldunfähigkeit“ begangen.

Unterdessen rechtfertigte der Sozialpsychiatrische Dienst des Kreises erneut sein Vorgehen. Die unter Mordverdacht stehende Mutter habe zwar, „angegeben, dass ihre Kinder irgendwie in Verbindung mit Dämonen zu sehen seien“, wie es hieß. Das sei ein Hinweis auf „wahnhaftes Geschehen“ gewesen, sagte Mitarbeiterin Petra Ochel. Es habe aber keinerlei Anhaltspunkte dafür gegeben, dass man akut habe eingreifen müssen.

„Die Patientin war sicherlich auffällig“ und habe religiöse Fantasien geäußert, räumte Ochel ein. Die Mitarbeiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes hätten diese Behandlungsbedürftigkeit gesehen und deshalb wiederholt ambulante wie stationäre Hilfe angeboten.

Nach Ansicht des Direktors der psychiatrischen Uniklinik in Kiel, Josef Aldenhoff, hat die Frau in ihrer Verwirrung „möglicherweise irgendein Unheil auf die Kinder zukommen sehen und sie mit ihrer Tat davor bewahren wollen“. Der behandelnde Psychiater hätte vor eventuell von der Frau ausgehenden Gefahren nur warnen können, wenn er konkrete Verdachtsmomente gehabt hätte. Er gehe davon aus, dass die Frau vor der Tat keine entsprechenden Äußerungen gegenüber dem Psychiater gemacht habe.

Die 31-Jährige soll angeblich kurz nach der Tat versucht haben, sich umzubringen. Demnach soll sie am Mittwoch um 12.00 Uhr mit Schnittverletzungen an den Armen an der Pforte der Psychiatrie erschienen sein. Spekulationen, die Frau sei vom Klinikpersonal abgewiesen worden, wies ein Sprecher der Einrichtung zurück.

Mit einem Gottesdienst im benachbarten Lütjenburg soll am Sonntag der getöteten Jungen gedacht werden. Die Predigt in der St.-Michaelis-Kirche hält die evangelische Bischöfin Bärbel
Wartenberg-Potter.

DCRS meint: Dieser Fall hätte wohl durchaus mit ein bisschen Aufmerksamkeit, Interesse und Wissen verhindert werden können !

Artikel vom 8. Dezember 2007

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