Wegen Rauchverbot - Pilsbar wandelt sich komplett in Volksbühne

Von Kerstin Moebius

RauchenJeder, der seien Fuß über die Schwelle in die Memminger Pilsbar „Treff“ setzt, wird zum Schauspieler. Die Pilsbar ist jetzt nämlich eine Volksbühne. Jeder Gast ist Künstler und wirkt im großen (Raucher-) „Theater“ mit.

Um das besonders strenge Rauchverbot in Bayern zu umgehen, hat sich der Wirt, Robert Manz, etwas ganz besonderes einfallen lassen. Einen Raucherklub wollte er nämlich nicht gründen.

Das Gesundheitsschutzgesetz sieht Ausnahmen vom Rauchverbot bei “künstlerischen Darbietungen” vor. So wurden im “Treff” über Nacht alle Gäste zu Laienschauspielern.

Manz, vor seiner Zeit als Wirt 20 Jahre lang Polizeibeamter, ist sich sicher, eine Gesetzeslücke ausfindig gemacht zu haben: “Bei künstlerischen Darbietungen ist das Rauchen nach wie vor erlaubt, und nun spielen wir eben alle die Zeit vor dem strengen bayerischen Rauchverbot nach.”

Und so qualmen seine Gäste ungeachtet des strengsten deutschen Rauchverbots weiter vor sich hin - und freuen sich, dass sie plötzlich so viel Aufmerksamkeit erwecken.

Dass die Schauspielerei in der Kneipen-Bühne seltsame Auswüchse treibt ist nur naheliegend. So stellt sich ein Gast als Heinz vor und erklärt, dass er schon über 40 Jahre für diese Rolle übe - und zeigt ein breites Grinsen. Sein Kumpel Willi betont, wenn der Staat die Menschen so gängele, müsse man sich eben etwas einfallen lassen:

“Ich spiele den Raucher in Zeiten des noch nicht existierenden Rauchverbots, der Tradition gemäß eine Zigarette rauchend.” Und ein dünner 20-Jähriger auf dem Stuhl daneben ergänzt: “Ich spiele den Nichtraucher, dem es nichts ausmacht, wenn geraucht wird.”

Die örtlichen Behörden sind schon aufmerksam geworden auf die Raucher-Bühne. Doch wie man mit diesem seltsamen Gebilde umgehen muss und will, das ist noch nicht ganz klar.

Der Bürgermeister von Memmingen überlegt offenbar noch welche Maßnahmen er ergreifen soll.

DCRS ONLINE meint: Welche verborgenen Talente das Rauchverbot zum Vorschein bringt!

Artikel vom 15. Februar 2008

Hinterlasse eine Antwort