Weltraumlabor Columbus auf dem Weg ins All
Das europäische Weltraumlabor „Columbus“ befindet sich auf dem Endspurt. Am 4. Dezember soll es von Florida aus Richtung ISS ins All gehen. Noch werden letzte Vorbereitungen getroffen, die Aufregung der Belegschaft ist bereits spürbar, wenn auch noch begrenzt.
Am Sonntag fliegt der Bremer Ingenieur von EADS Astrium nach Florida, zum Kennedy Space Center. Wenn am 6. Dezember die US-Raumfähre „Atlantis“ das in der Hansestadt maßgeblich entwickelte Weltraumlabor „Columbus“ zur Internationalen Raumstation ISS bringt, will er beim Start dabei sein. Dockt „Columbus“ zwei Tage später an der ISS an, steigt bei Brandt der Adrenalinspiegel. Denn dann wird sich zeigen, ob das, was er als Projektleiter zehn Jahre gebaut und getestet hat, im All auch funktioniert.
„Es kann alles Mögliche schiefgehen“, sagt der 64-jährige Brandt. Das sei wie bei jedem anderen technischen Gerät. Er erinnert sich noch gut daran, als während des Zusammenbaus plötzlich der Schutzanstrich im Inneren abblätterte. Die Farbe musste abgebeizt und die Oberfläche neu behandelt werden. Wenn im All was schiefgehen sollte, sei das aber keine Katastrophe, sagt Brandt. Im Bremer Astrium-Werk steht ein Modell von „Columbus“. Ingenieure können daran Störungen nachvollziehen und den Astronauten Anweisungen für Reparaturen geben.
Zehn Jahre lang haben bis zu 300 Ingenieure in Bremen und europaweit weitere 700 Fachleute daran gearbeitet, dass „Columbus“ perfekt funktionieren wird. Zuletzt war in einer Druckvakuum-Kammer nach undichten Stellen gesucht worden. Zudem wurde das Andocken an die ISS simuliert. Das Weltraumlabor ist der zentrale europäische Beitrag für die ISS, es soll mindestens zehn Jahre im All bleiben.
EADS hatte 1996 von der Raumfahrtagentur ESA den Auftrag zur Entwicklung des Labors erhalten, in dem drei Astronauten gleichzeitig Experimente durchführen können. 41 Unternehmen aus zehn europäischen Ländern waren an dem fast eine Milliarde Euro teuren Projekt beteiligt. Ursprünglich sollte das Labor bereits im Herbst 2004 an die ISS angedockt werden. Doch dann stürzte die US-Raumfähre „Columbia“ Anfang 2003 ab. Mit dem damit verbundenen Shuttle-Flugverbot geriet der Aufbau der ISS ins Stocken.
„Das war ein Rückschlag“, erinnert sich Brandt. Es sei damals viel darüber spekuliert worden, ob das High-Tech-Labor im Museum landen werde. Doch das Ingenieurteam habe immer großes Vertrauen darin gehabt, dass es weiter gehe. Ende Mai 2006 war es dann endlich soweit: „Columbus“, das von außen wie eine überdimensionierte Konservendose anmutet, wurde mit dem Airbus-Spezialflieger Beluga von Bremen nach Florida gebracht. Dort wurde alles für den Start
vorbereitet.
Wenn alles wie geplant läuft, kann am 11. Dezember die Luke zwischen „Columbus“ und der Raumstation ISS geöffnet werden. Dann könnte der französische Astronaut Leopold Eyharts ins Labor hinübergehen und bereits die ersten Experimente hochfahren. Brandt ist dann schon wieder in Bremen. Er will am 12. Dezember im Bremer Rathaus dabei sein, wenn die erfolgreiche Mission gefeiert wird. Dies werde ein Höhepunkt in seinem Leben sein, versichert Brandt.
Ihn habe es nie gereizt, selbst ins All zu fliegen. Er habe zwar eine „gewisse Abenteuerlust“, aber die beschränke sich auf Ziele auf der Erde. Sein Name wird dafür bald im Orbit sein: Neben dem Eingang von „Columbus“ sind innen auf einer Tafel die Unterschriften von 800 Ingenieuren verewigt, die an dem Projekt beteiligt waren. Darunter ist auch der Name des „Vaters“ von „Columbus“: Günther Brandt.
DCRS meint: Viel Glück für deinen Reise, Columbus !
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