Weltweite Freude über Freilassung der FARC-Geisel Betancourt
Es ist wie ein Wunder. So empfindet nicht nur die ehemalige Geisel Ingrid Betancourt ihre Freilassung, sondern Menschen auf der ganzen Welt. Nach endlosen sechs Jahren Geiselhaft konnte die ehemalige kolumbianische Politikerin durch einen Trick der kolumbianischen Armee befreit werden. Mit ihr wurden 14 weitere Geiseln befreit.
Bei der Militär-Aktion sei kein Schuss gefallen. Betancourt dankte weinend der Armee und erklärte, die Entwicklung sei ein Zeichen dafür, dass es in Kolumbien künftig wieder Frieden geben könne.
Die an der Befreiungsaktion beteiligten Soldaten hatten sich als Sympathisanten der Rebellen ausgegeben, die die Geiseln zu Rebellenchef Alfonso Cano hätten bringen sollten.
“Wir wurden gezwungen, in Handschellen den Hubschrauber zu besteigen, das war sehr demütigend”, berichtete eine zwar blasse, aber über das ganze Gesicht strahlende Betancourt auf dem Luftwaffenstützpunkt in Bogota über den Ablauf der Aktion.
“Dann, plötzlich, haben sie die beiden Rebellen, die mit uns an Bord waren, entwaffnet und der Leiter der Operation schrie: ‘Wir sind die kolumbianische Armee und Sie sind frei!’… Der Hubschrauber stürzte fast ab, weil wir angefangen haben zu klatschen und zu schreien und auf und ab zu springen.”
Die Politikerin hatte sich im Februar 2002 mitten im Wahlkampf um das Präsidentenamt befunden, als sie im Süden des Landes zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Clara Rojas von Anhängern der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) verschleppt wurde.
Zuletzt gab es Ende vergangenen Jahres ein Lebenszeichen von ihr: Auf einem Video war eine abgemagerte und gefesselte Betancourt als gebrochener Mensch zu sehen, der kein Wort sprach. Spätestens da wurde die Mutter zweier Kinder zum Symbol für alle verschollenen FARC-Geiseln im kolumbianischen Dschungel.
Ganz anders wirkte sie nun bei ihrer Ankunft auf dem militärischen Teil des Flughafens der Hauptstadt Bogotá. Unglaublich erleichtert nahm sie ihre Mutter Yolanda Pulecio und ihren Mann Juan Carlos in die Arme. Dann beantwortete die in eine Militärjacke gekleidete 46-Jährige mit erstaunlicher Eloquenz und Geduld die vielen Fragen der wartenden Journalisten. Es gehe ihr gesundheitlich gut, sagte sie und dankte dem Militär für die “ausgezeichnete Aktion”, bei der kein Schuss gefallen war.
Der Kommandeur der Kolumbianischen Armee, General Mario Montoya, freut sich mit Betancourt.
International drückten Staatschefs ihre Freude über die Entlassung aus. Nicolas Sarkozy, Präsident von Frankreich, erklärte, ein sechs Jahre währender Alptraum sei nun zu Ende. Er hatte sich zuletzt zusammen mit seiner Frau Carla Bruni-Sarkozy persönlich für die Freilassung von Betancourt engagiert. Auch US-Präsident Geroge W. Bush drückte seine Freude über die gelungene Befreiung aus und gratulierte Kolumbiens Präsidenten Uribe. Selbiges erklärten die Präsidenten Chiles, Brasiliens und Perus.
Anfang Juni hatte Venezuelas Präsident Hugo Chavez den neuen FARC-Anführer Cano zur Freilassung aller Geiseln aufgefordert. Bewaffnete Guerilla-Bewegungen seien nicht mehr zeitgemäß, sondern gehörten der Geschichte an. Schon zu Jahresbeginn ließ die FARC auf Vermittlung von Chavez mehrere Geiseln frei, die sie zum Teil seit Jahren im Dschungel gefangen gehalten hatte. Nach Einschätzung politischer Beobachter in Bogotá ist die trickreiche Befreiung ohne Blutvergießen ein weiteres Zeichen für die Schwächung der einst unschlagbar erscheinenden FARC. “Was für eine Erleichterung es ist, diese Nachricht verkünden zu können”, sagte Uribe bei einer Rede im Beisein Betancourts und weiterer Ex-Geiseln.
Für Uribe, den Betancourt nach ihrer Freilassung als “sehr guten Präsidenten” bezeichnete, hatte sie ein besonderes Lob parat. Es sei vor allem seiner Wiederwahl 2006 zu verdanken, dass die FARC derart in die Enge getrieben werden konnten, sagte sie. Früher, als eine Wiederwahl von der Verfassung verboten war, hätten die FARC immer darauf vertrauen können, dass einer Regierung der harten Hand eine der ausgestreckten Hand folgen werde. Diese Verschnaufpause sei den Rebellen Dank der von Uribe betriebenen Verfassungsänderung von 2004, die seine Wiederwahl zwei Jahre später möglich machte, verwehrt geblieben.
Nach dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez hatte sich zuletzt auch Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy für die Freilassung Betancourts eingesetzt, die auch einen französischen Pass besitzt. Aber alle Vermittlungsversuche scheiterten an der unnachgiebigen Haltung der FARC und Uribes. Beide Seiten pokerten hoch und Uribe ging mit der gewaltsamen Befreiung ein extremes Risiko ein. Wären die Geiseln dabei wie in vielen früheren Fällen zu Tode gekommen, hätte dies das vorzeitige Ende seiner zweiten Amtszeit einläuten können. So jedoch steht der selten lächelnde und asketisch lebende Hardliner als strahlender Sieger da.
Die FARC ist die älteste noch bestehende linke Rebellengruppe Lateinamerikas und hatte einst 17.000 Kämpfer. Sie finanziert sich nicht nur durch Entführungen, sondern auch durch den Kokain-Handel. Zuletzt mussten sie aber empfindliche Verluste hinnehmen. So töteten kolumbianische Soldaten Anfang März im Dschungel Ecuadors die Nummer zwei der Gruppe. Zudem desertierte eine prominente Kommandeurin der FARC und erklärte öffentlich, die Organisation befinde sich in der Auflösung.





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03. Juli 2008 um 22:25
Finanziert - und militärisch ausgerüstet - wird die FARC vor allem von den Nachbarländern Ecuador und Venezuela, wo Banditen wie Chávez an der Macht sind. Hoffentlich wird mit denen nun auch bald aufgeräumt!