Wenig Interesse am Entsendegesetz

Von Kerstin Moebius

Wenig Interesse am EntsendegesetzEntgegen der Annahme der Schwarz-Roten Regierung haben nur wenige Branchen geschlossen Interesse an der Aufnahme in das Entsende und der Einführung eines damit verbundenen branchen-internen Mindestlohnes gezeigt. Lediglich fünf Branchen mit einer relativ geringen Arbeitnehmerzahl wollen aufgenommen werden. Es handelt sich dabei offenbar um die Zeitarbeit, Großwäschereien, Forstdienstleister, die Weiterbildung und das Sicherheitsgewerbe.

SPD-Fraktionschef Peter Struck hatte bis zuletzt angekündigt, zehn oder mehr Branchen wollten über die Aufnahme ins Entsendegesetz zu Mindestlöhnen kommen. Auch nach Auslaufen der Frist sind noch Anträge möglich. Allerdings streiten Union und SPD nach wie vor über die dafür vorgesehenen Gesetzesnovellen.

Trotz der geringen Resonanz wollen SPD und Gewerkschaften auf Lohnuntergrenzen in einzelnen Branchen und an der Forderung nach einem allgemeinen Mindestlohn festhalten.

“Wir müssen das weitere Absinken von Löhnen und Gehältern stoppen”, sagte die hessische SPD-Chefin Andrea Ypsilanti der “Frankfurter Rundschau”.

“Gelingt dies nicht freiwillig, also über die Tarifpartner in den Branchen, so rückt ein gesetzlicher Mindestlohn näher.” Ähnlich argumentierte der Tarifexperte Klaus Schroeter von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) in der Zeitung:

“Der Versuch, über das Entsendegesetz zu flächendeckenden Mindestlöhnen zu kommen, funktioniert nicht.”

Die CDU hat sich unterdessen immer weiter vom Mindestlohn distanziert und zu ihrer ursprünglichen Linie zurückgegefunden. So groß ist die Gefahr, durch Mindestlöhne Arbeitsplätze wieder zu verlieren.

“Die ganz große Mehrheit will keinen staatlich festgelegten Einheitslohn, weil er Arbeitslosigkeit bringt”, sagte der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Norbert Röttgen (CDU), der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”.

“Ich rate dringend, das Gesetzesvorhaben aufzugeben und das gescheiterte Kampfthema Mindestlohn nicht weiter zu verfolgen.” Arbeitsminister Scholz warf er “absurdes parteitaktisches Wunschdenken” vor.

Artikel vom 31. März 2008

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