Wer war am Fall Kampusch noch beteiligt ?!

Von Kerstin Moebius

Wer war am Fall Kampusch noch beteiligtWer war am Fall Kampusch außer Wolfgang Priklopil noch beteiligt? Dieser zentralen Frage werden sich die österreichischen Behörden offenbar noch einmal stellen, berichtet das Magazin „Stern“. Es sei bewiesen, dass bei den Ermittlungen geschlampt worden sei. Nun müsse allerdings klargestellt werden, von wem, warum und wie.

Gab es Komplizen? Welche Rolle spielte der Nachbar? Was wusste die Mutter?

Verfassungsrechtler Ludwig Adamovich wurde laut Medienberichten vom österreichischen Innenminister, Günther Platter, beauftragt, den Fall wieder aufzurollen.

Drei Gremien in Parlament und Ministerien beschäftigen sich laut „Stern“ mit den Pannen in der polizeilichen Ermittlungsarbeit, einem möglichen Amtsmissbrauch und der Frage, ob mit Rücksicht auf Schutz und auf die Vermarktung von Natascha Kampusch (20) Ermittlungen behindert wurden.

166 Aktenordner hat das Kriminologen-Team um den ehemaligen Präsidenten des Österreichischen Verfassungsgerichtshofes bereits durchforstet, 25 Polizeibeamte befragt. Die Ermittler sind sich einig: Heiße Spuren wurden bei der Ermittlung nicht weiter verfolgt!

So habe sich Priklopil-Freund Ernst Holzapfel schon beim Verschwinden von Natascha Kampusch verdächtig gemacht. Priklopil soll laut einer Zeugenaussage bei der Entführung nicht allein gewesen sein. Als Natascha schließlich entkommen konnte, wurde er erneut verhört. Seine erste Reaktion auf die Fragen der Beamtin waren: „Wieso, hot er’s umbrocht?“. Kurz darauf gab er an, Natascha nur ein einziges Mal zusammen mit Priklopil gesehen zu haben.

Holzapfel hatte immer bestritten engeren Kontakt zu Priklopil gehabt zu haben. Den Ermittlern hätte aberbei der Auswertung der Anruflisten Priklopils auffallen können, dass die eine andere Geschichte erzählen.

Auch der Verdacht, Nataschas Mutter hätte möglicherweise mit Priklopil unter einer Decke gesteckt, wird wieder aufgegriffen.

Ein Familienrichter behauptet: Natascha hatte schon vor ihrer Entführung Kontakt mit Priklopil. Die Indizien: Kurz vor der Entführung hatte das Mädchen plötzlich erheblich an Gewicht zugelegt und wieder das Bett genäßt. Angeblich existieren von Natascha als kleines Mädchen Nacktbilder in verdächtigen Posen.

Zudem wollen Ohrenzeugen gehört haben, wie Natascha zu ihrer Mutter sagte: „Mama, ich weiß, du hast das so nicht gewollt.“

Viele Nachfragen der damaligen Ermittler seien von den Anwälten Nataschas unterbunden worden – aus Rücksicht auf ihren seelischen Zustand.

Weitere These: Natascha wollte ihren Peiniger schützen.

In ihrer ersten Talk-Sendung beim österreichischen TV-Sender „Plus 4“ vertraute sie ihrem Gast, Rennfahrer-Legende Niki Lauda, an: „Ich wollte diesen Menschen nicht der Polizei ausliefern.“ Außerdem: Sie habe schon mit 12 Jahren die Idee gehabt, zu gehen. Sie hätte aber noch „stärker“ und „schneller“ werden wollen.

Ob die Fall Kampusch jemals zu den Akten gelegt werden kann, ist unklar. Chef-Ermittler Ludwig Adamovich will laut „Stern“ die neuen Ermittlungen mit aller Härte vorantreiben und einigen wichtigen Menschen schmerzhaft auf die Füße treten.

Allerdings: Die Staatsanwaltschaft Wien bestritt den „Stern“-Bericht, wonach die Polizei im Fall Kampusch neue Ermittlungen aufgenommen hat.

Oberstaatsanwältin Marie-Luise Nittlder sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa: „Dazu ist es noch zu früh. Zunächst müssen wir den Untersuchungsbericht genau studieren. Danach sehen wir weiter, ob es überhaupt Gründe für weitere Ermittlungen gibt.“

Nach achteinhalb Jahren Gefangenschaft konnte sich die damals 18-jährige Natascha Kampusch am 23. August 2006 aus der Gewalt des Nachrichtentechnikers Wolfgang Priklopil befreien.

Artikel vom 11. Juni 2008

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