Werksärzte von Coca-Cola waren einfache Handwerker

Von Kerstin Moebius

Eine unglaubliche Frechheit !Am Freitag wurde in Bochum Dr. Roland Sch. (47) zu einer Haftstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung verurteilt. Er ließ einfache Handwerker in einer bundesweit agierenden Ärzteagentur als Mediziner arbeiten.

Kunden von Roland Sch. waren unter anderem Coca-cola, Degussa und Deutschlands größte Zeitarbeitsfirma Randstad mit 50000 Beschäftigten, denen Sch. als Werksarztzentrum Mediziner als Werksärzte zu unschlagbaren Konditionen verlieh, wie der Kölner Express jüngst berichtet.

Die Dienstleister haben Blut abgenommen, Spritzen gesetzt, Tauglichkeitsuntersuchungen durchgeführt. Doch die Männer in den weißen Kitteln waren keine Mediziner, sondern Handwerker.

Mehrere Tausend Menschen sollen monatlich von den falschen Ärzten untersucht und behandelt worden sein. Mit Dumpingpreisen hatte Roland Sch. Konkurrenten verdrängt und war zum Marktführer aufgestiegen.

Die günstigen Konditionen beruhten auf der mangelnden Ausbildung der vermeintlichen Ärzte. Tatsächlich befanden sich in dem Mitarbeiterstab von Sch. tatsächlich auch Ärzte, doch auch Tischler, Dachdecker, Bäcker und Maurer, die Sch. auf die ahnungslosen Patienten losließ.

Auf ihren Job wurden die falschen Ärzte mit kurzen Einführungskursen und Selbstversuchen vorbereitet. Die medizinischen Kenntnisse waren katastrophal.

Gegenüber der „Recklinghäuser Zeitung“ packte ein Mitarbeiter aus: „Uns war klar, dass das nicht in Ordnung ist, was wir da machen. Aber wir hatten Angst um unseren Job.“ Der Druck auf die falschen Ärzte sei enorm gewesen: „Ich kam auf Tage mit 16 oder 18 Stunden.“

Doch Körperverletzung ahnungsloser Patienten durch die falschen Ärzte war längst nicht alles.

Außerdem hat der Arzt und Unternehmer gestanden, die Kassenärztliche Vereinigung betrogen, zu Unrecht Subventionen kassiert und einen Ministerialrat im nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium bestochen zu haben.

Roland Sch. verdiente gut mit seinen Schein-Ärzten und führte ein ausschweifendes Leben. Neben einem Ferrari genehmigte er sich auch noch einen Bentley, ließ sich in der Fachhochschule Gelsenkirchen feiern, wo er Vorlesungen über die Gründung von Unternehmen hielt. Sogar Auszeichnungen für sein unternehmerisches Engagement erhielt der 47jährige.

DCRS meint: Unfassbar, was für eine Farce !

Artikel vom 23. Dezember 2007

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