Zwickau bereitet sich mit Hochtouren auf Geburtstagstreffen zum 50. Geburtstag des Trabant vor
Der Wagen ist für “Wessis” nur bedingt geeignet. “…Der Benzinhahn, die meisten scheitern am Benzinhahn…”, sagt Mirko Bindheim. Was Westdeutsche nur vor ihrem ersten Mofa kennen, ist im Trabant aus dem sächsischen Zwickau noch immer der erste Handgriff vor dem Starten: Benzinhahn aufdrehen. Auch Mirko Bindheim musste das erst lernen.
Er fährt mit seinem Trabant aber nicht durch Sachsen, sondern durch Bremen und ist dort Mitglied im Club “Trabipower”.
Auf den Weg nach Sachsen werden sich jedoch am 10. November zahlreiche Trabant-Fans machen. Die Stadt Zwickau, einst Heimat des DDR-”Volkswagens”, feiert den 50. Geburtstag des Wagens. 95 Fahrer hätten sich bereits angemeldet, sagt Organisator Mathias Metz von der Stadt Zwickau.
Angesichts der kalten Jahreszeit sei das kein schlechtes Ergebnis. Denn mittlerweile hätten die meisten Trabants nur noch Saisonkennzeichen und seien spätestens ab November
abgemeldet.
Der Bremer Bindheim wird dieses Mal jedoch nicht nach Zwickau fahren. 1999 war er das erste Mal in Zwickau zum Fan-Treffen, die DDR kannte er aber schon vorher. Über seinen Opa hatte er früh Verbindungen nach Ostdeutschland, die auch vor der dortigen Technik
nicht haltmachten.
Gleich nach der Wende, so erzählt der 31-Jährige, habe er dann die Ost-Modelle selbst fahren wollen. Während seine Freunde in der Hansestadt an einer alten Kreidler Florett schraubten, besorgte sich Mirko eine Simson. Mit 18 stieg er dann nicht auf ein
japanisches Motorrad um, sondern auf eine MZ.
“…Die Technik ist sehr einfach…”, sagt er heute. Da habe man viel selbst machen können. Und außerdem konnte man sich mit den DDR-Fahrzeugen so schön und einfach von den Freunden abgrenzen. Bis er aber die so einfache Technik im Griff hatte, habe er erst bei
seinem Opa im Osten in die Lehre gehen müssen. Der habe ihm die wichtigsten Tricks gezeigt.
Diese beherrscht Rimo Dietrich aus dem Effeff. Er ist Vorsitzender des Zwickauer Trabi-Clubs Intertrab e.V. und damit so etwas wie der Gralshüter des DDR-”Volkswagens”.
Um “Fun”, wie er sagt, geht es in dem Club nicht. Bunte Spaß-Trabis sind seine Sache nicht. Ihm, der selbst einen original himmelblauen Trabant fährt, geht es um die Erhaltung des Originals, angefangen beim P50 über die Sondermodelle wie Trabant-Kübel bis zum Trabant 1.1 mit VW-Motor nach dem Mauerfall.
“…Und um die Würdigung der Leistung der mehr als 10 000 Sachsenring-Arbeiter, die den Trabant gefertigt haben…”.
Rund 60 Fahrzeuge besitzt der Club, er unterhält eine eigene Ausstellung, 130 Mitglieder aus ganz Deutschland unterstützen die Arbeit.
Von den ehemals produzierten drei Millionen “Duroplastbombern” rollen derzeit noch 52.000 auf deutschen Straßen. Die alte Grenze wird dabei aber noch sehr gut sichtbar: Im Westen sind etwas mehr als 9000 Trabants angemeldet, in den neuen Ländern 43 000.
Einen davon besitzt auch Udo Lindenberg, der Altrocker und frühere Grenzgänger zwischen BRD und DDR. Mit goldener Lackierung stellt er den Wagen in Hamburg aus, laut Beschreibung ist es der letzte von der Sachsenring-Belegschaft gefertigte Trabant. “Na ja”, sagt Vereinschef Dietrich. “…Einer der letzten könnte hinkommen, ob es wirklich der allerletzte ist, lässt sich nicht sagen…”
Solche historischen Spitzfindigkeiten sind dem Bremer Mirko Bindheim egal. Er hat seinen Trabant inzwischen dunkelblau lackiert und mit Cabrio-Bausatz zum Sommer-Spaßmobil aufgepeppt. An der Technik habe er indes nichts verändert:
Der Benzinhahn sitzt auch bei seinem Wagen rechts unten und dient noch immer als Wessi-Test.
DCRS ONLINE meint: Das klingt wirklich spannend und interessant !





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